Mitgliederversammlung hat Klimawandel im Fokus

Erstellt am 26. Februar 2020

Heiße Zeiten für kühle Wälder

Entscheidung über künftige Holzvermarktung soll 2020 fallen

Der Wald ist wieder dauerhaft in die Schlagzeilen geraten - besser gesagt, sein Zustand. Der ist –klimabedingt- aus den Fugen geraten und die drohende und allenthalben schon gegenwärtige Katastrophe darf gleichrangig mit den vor etwa vier Jahrzehnten registrierten "neuartigen" Waldschäden genannt werden. In der Konsequenz sind die Auswirkungen des nur noch von wenigen ignoranten Zeitgenossen bestrittenen Klimawandels auf die Gesundheit und die Funktionsfähigkeit der Wälder genauso desaströs wie vor vierzig Jahren. Einziger Unterschied: Das uns zur Verfügung stehende Zeitfenster zur Kehrtwende dürfte weitaus geringer ausfallen als es 1980 der Fall war.

Die Dramatik des weltweiten Geschehens brachte Dr. Jürgen Gauer, der sich als Mitarbeiter der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt wissenschaftlich für die Umweltvorsorge einsetzt, anlässlich der gut besuchten Mitgliederversammlung des Waldbauvereines Rhein-Lahn am 29. November den Zuhörern in Singhofen näher.

Diejenigen Erkenntnisse, die bislang über die Veränderung unseres Klimas und der damit einhergehenden Auswirkungen auf den Wald vorliegen, führte der Referent eindrucksvoll mittels vieler Aufzeichnungen, festgehalten in Tabellen, Schaubildern und Ablichtungen aus intensiver Forschung und Beobachtung den Betrachtern vor Augen. Trotzdem sicher noch zahlreiche Forschungen notwendig sind, um ein vollständiges Bild zeichnen zu können, ist es offensichtlich, dass wir wohl erst am Anfang eines einschneidenden Wald- und Umweltwandels stehen.

Als von Hause aus tätiger Standortkartierer stellte der Wissenschaftler neben den vielen, das Klima beeinflussenden Faktoren, wie beispielsweise Niederschlag und Temperatur, die Leistungen und Möglichkeiten des Bodens, auf dem unsere Waldbäume stocken, in den Vordergrund. Dieser hat im Zusammenspiel mit den klimatischen Bedingungen einen erheblichen Einfluss auf den Bewuchs. Dass nun Niederschlag und der damit vorhandene Bodenwasserhaushalt, insbesondere in den beiden letzten Jahren, starke Einbußen zu verzeichnen hatten und, dass sie damit als elementare Bausteine für das Pflanzenwachstum fehlten, war den aufmerksamen Zuhörern leicht zu erklären. Schwieriger war es da schon, den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern zu vermitteln, dass die Betrachtungsweise der Klimaveränderung nicht ab der aktuell zu verzeichnenden Situation einsetzt, sondern, dass der Blick auch in erdgeschichtlich zurückliegende Zeiträume gerichtet werden muss. Denn nur, wer die Entstehung kennt, kann auch die Entwicklung einigermaßen beurteilen und Schlüsse ziehen. Zudem machte der Referent klar, ist es nicht ganz einfach, die Gewichtung der Klimafaktoren richtig einzuschätzen, denn ein zu verzeichnender Mangel an pflanzenverfügbarem Wasser kann zwar einerseits seine Ursache in zu geringen Niederschlagsmengen haben, andererseits aber auch die Auswirkung eines ungünstigen Bodengefüges sein.

Schließlich fanden in Jürgen Gauers Vortrag unterschiedliche Reaktionen der Baumarten auf klimatische Vorgänge Erwähnung und alles in allem legte er die Aussicht nahe, dass wasserbedürftige Arten, wie beispielsweise die Fichte, im Rhein-Lahn-Kreis auf Dauer verschwinden werden. Die Indizien dafür lieferte Dr. Gauer anhand einiger Szenarien, welche die Mitteltemperatur in der forstlichen Vegetationszeit sowie die Niederschlagserwartungen prognostizierten und bei diesen Modellen standen die Zeichen auf noch „wärmer“ und noch „trockener“ als es aktuell der Fall ist.

Dem allgemein als gemäßigt und kühl geltenden Wald stehen damit „heiße Zeiten“ ins Haus.

In diesem Sinne gab der Experte den Waldbauern einige wichtige Empfehlungen im Hinblick auf künftig evtl. zu verwendende Baumarten, wobei hier durchaus auch exotisch anmutende Spezies wie Baumhasel, Atlas-Zeder, Eukalyptus und Zürgelbaum eine Rolle spielen können. Zusätzlich gab er der Versammlung den Rat, sich bei Aufforstungen an den Erkenntnissen zu orientieren, die eine Bewertung von Anbaueignungen für bestimmte Baumarten in Rheinland-Pfalz, welche in Vorbereitung ist, in absehbarer Zeit erbringen sollte. Darüber hinaus ist das Arbeiten mit mehreren Baumarten zur Risikostreuung die bessere Variante, gegenüber einer solchen, die auf wenige oder sogar nur eine Baumart setzt, bekräftigte der Forstwissenschaftler.

Dr. Jrgen Gauer bei seinem Vortrag

(Dr. Jürgen Gauer erläutert den Klimawandel im Wald aus Sicht der Forstwissenschaft)

Im Rahmen einer sich anschließenden Fragerunde bekundeten Mitglieder und Gäste ihr hohes Interesse an der Thematik, und erfuhren so weitere Details vom erstklassigen Referenten Dr. Jürgen Gauer.

Den Dank der Versammlung zollte neben dem Applaus schließlich der 2. Vorsitzende Peter Benard dem Redner und versah ihn mit anerkennenden Worten für seinen hochkarätigen Vortrag mit dem traditionellen Präsentkorb des Waldbauvereins.

Zu Beginn dieser 34. Mitgliederversammlung hatte Peter Benard, der an diesem Abend den 1. Vorsitzenden Eberhard Will in würdiger Weise vertrat, in seinem Jahresbericht bereits einen weiteren wichtigen Punkt eingehend behandelt, nämlich: Wie wird der Holzverkauf für den Privatwald und die Mitglieder des Waldbauvereins künftig organisiert?

Beginnend beim Kartellrechtsverfahren skizzierte der 2. Vorsitzende den Werdegang der Entscheidungsfindung in dieser Frage bis hin zur aktuellen, einheitlichen Haltung des Vorstandes, über eine eigene, vom Waldbauverein geschulterte Holzvermarktung nachzudenken. Seine Aussichten hierzu waren, im Jahr 2020 eine endgültige Entscheidung zu haben, denn ein durch das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten in Auftrag gegebenes Gutachten sollte Erkenntnisse über die Machbarkeit und die Risiken des Vorhabens erbringen. Das gelte es nun, abzuwarten. Daneben seien natürlich auch Gespräche mit den rechtsrheinisch bereits tätigen privaten und kommunalen Verkaufsorganisationen geführt worden, die im Bedarfsfall wieder aufgegriffen werden könnten.  

Neben seinen sachlichen Ausführungen hieß Peter Benard natürlich auch wieder zahlreiche Gäste willkommen, so zum Beispiel die Vertreter des Landkreises sowie der Verbandsgemeinden im Rhein-Lahn-Kreis, der Forstverwaltung und der befreundeten Vereine und Verbände.

Dr. Wolfgang Schuh, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes für Rheinland-Pfalz und ebenfalls immer gern gesehener Gast, hatte im abgelaufenen Jahr bereits tatkräftig bei der Erarbeitung der Möglichkeiten für den zukünftigen Holzverkauf Hilfestellung geleistet. Nun gab er den Waldbesitzern in gewohnt prägnanter Manier einen Überblick über das, was die Forstwirtschaft gerade aktuell bewegte. Klimawandel, Forstschutz, Holzmarkt und der Ausblick auf zu erwartende forstliche Förderungen waren die Meilensteine seines forstpolitischen Kurzvortrages. Die Versammlungsbesucher folgten aufmerksam seinen Ausführungen und vernahmen positiv überrascht einen offenbar ersten zielführenden Schritt der Politik, in den kommenden fünf Jahren, Mittel in Höhe von rund 25 Millionen Euro zur Beseitigung der Dürre- und Borkenkäferschäden im Wald bereitzustellen.  

Dr. Wolfgang Schuh erlutert die Frdersituation

(Dr. Wolfgang Schuh bei seinem Vortrag zum Thema "Folgen der Extremwetterereignisse und Förderung der Waldbesitzer"

Dass gerade in bewegten Zeiten das „Business as usual“ und die Vereinsregularien reibungslos erledigt werden müssen und, dass darüber hinaus der Kreiswaldbauverein auch seiner Verpflichtung den Mitgliedern gegenüber gerecht wird, machte Geschäftsführer Steffen Herzog anhand seines Kassen- und Geschäftsberichtes aufscheinend.

Nicht nur mit der Finanzlage des Vereines ging es aufwärts. Auch Mitgliederzahl und Vereinsfläche waren in 2018 wieder gewachsen und für die kommende Zeit erhoffte sich der Geschäftsführer eine Fortführung dieses positiven Trends. Was die Aktivitäten des Vereins anbelangte, lag der Schwerpunkt der Leistungen einmal mehr in der Unterstützung der Mitglieder bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder. Die Bewältigung der Kalamitätsschäden, die Durchführung von Lehrveranstaltungen, die Organisation von Motorsägenschulungen und das Erledigen administrativer Angelegenheiten für die Vereinsmitglieder spielten dabei eine gewichtige Rolle. Anhand einer chronologischen Aufstellung führte der Geschäftsführer den Versammlungsteilnehmern die Aktivitäten des Vereins im Jahr 2018 vor Augen und dankte schließlich all denjenigen, die die Vereinsarbeit unterstützt und begleitet hatten.

Nach der so abgelieferten Berichterstattung vermeldete Kassenprüfer Rolf Minor den Anwesenden, dass die Prüfung der vereinsinternen Unterlagen in Form von Kassen-, Bank- und Rechnungsbelegen keinen Grund zur Beanstandung bot und folglich bat er die Versammlung darum, der Vereinsführung sowie dem Geschäftsführer Entlastung zu erteilen. Diese entsprach dem Antrag des Kassenprüfers einstimmig.

Trotzdem es bereits auf der Tagesordnung stand, war es doch außerplanmäßig. Zur Verstärkung des Kassenprüferduos musste ein neuer zweiter Prüfer gewählt werden. Das bisher in dieser Position befindliche Vereinsmitglied Bernd Hofmann war leider aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, dieses Amt aufzugeben. Die besten Wünsche und einen herzlichen Dank für die geleisteten Dienste sandten Vorstand und Versammlung an diesem Abend an den scheidenden Kassenprüfer nach Allendorf.

An seine Stelle trat mit dem einstimmigen Votum der Versammlung Holger Langschied aus Flacht.

Als Versammlungsleiter Peter Benard die Sitzung mit den besten Wünschen für die Vorweihnachtszeit schloss, dürfte in den Köpfen der Zuhörer -wenigstens sinngemäß- ein Ausspruch des britischen Naturforschers Alfred Russel Wallace Raum gefunden haben, der bereits im Jahr 1903(!) in dem Buch „Wir Wettermacher“ wie folgt zitiert wurde: Der Gedanke an unsere wunderbare Atmosphäre mit ihren vielfältigen Bezügen zum menschlichen Leben, wie zu allem Leben, hat mich zu einem Aufschrei für die Kinder und für die empörte Menschheit genötigt. Stellen Sie alles hinten an und geben Sie Ihre Stimme keinem, der sagt: „Das kann nicht getan werden.“ Wählen Sie diejenigen, die erklären: „Es wird getan werden!.

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