Mitgliederversammlung 2018

Erstellt am 22. März 2019

Wald im Klimawandel – Holzmarkt im Strukturwandel

Mitgliederversammlung berät über die Zukunft des Waldes und des Holzverkaufs

 

Wussten Sie, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, den meisten als BAMF bekannt, festgestellt hat, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen den sich ändernden klimatischen Bedingungen und Migration gibt?

 

Man nennt diese Erscheinung „Umweltmigration“ und sie basiert darauf, dass sich Menschen, je nach Anpassungsfähigkeit andernorts gut und manchmal auch besser zurechtfinden und deshalb ihre angestammte Heimat verlassen.

 

Hans Werner Schröck, dessen fachliches Wirken dem Forschungsbereich Waldmonitoring und Umweltvorsorge bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) mit Sitz in Trippstadt zugutekommt, befasste sich ebenfalls mit diesem Thema.

 

Sein Augenmerk galt dabei jedoch einer mannigfachen Insektenpopulation und einer nicht minder zahlreichen Vielfalt aus dem Pflanzenreich. Das waren die Spezies, die er unter die Lupe nahm und die wir bisher noch nicht kannten.

Um die Wechselwirkungen zu verstehen, die bei den Prozessen zwischen unseren Waldbäumen und neuen Arten aus Flora und Fauna eine Rolle spielen, erläuterte Referent Schröck den aufmerksamen Zuhörern im Rahmen der Mitgliederversammlung des Waldbauvereins Rhein-Lahn am Abend des 19. Oktober die komplexe Materie und zeigte auf, welche Folgen die globale Erderwärmung in unseren Breiten dem Wald aufbürdet.

Als hätten unsere Wälder nämlich mit den atmosphärischen Stressfaktoren Hitze, Trockenheit und mit übrigen Witterungsextremen wie Stürme seit geraumer Zeit nicht schon genug zu kämpfen, fühlen sich in deren Folge tierische wie pflanzliche Schädlinge dazu eingeladen, unseren Waldbäumen den Rest zu geben. Manche dieser ungebetenen Gäste entfalten dabei sogar Invasionspotenzial.

Da ist zum einen die schnellere Generationenfolge (z.B. bei Buchdrucker und Prachtkäfer), die dafür sorgt, dass die Zahl der Schadinsekten am Ende einer Vegetationsperiode ins schier Unermessliche wächst und damit im Frühjahr mit einer höheren Ausgangspopulation den Bäumen zu Leibe rücken kann. Wer also sprichwörtlich die Karnickel in Fragen der Vermehrungstaktik bemüht, der darf sie ab sofort getrost vergessen und dafür den Borkenkäfer als Referenzbeispiel heranziehen.

Zusätzlich kommt es neben solchen Massenvermehrungen auch zu einer Ausweitung der Massenwechselgebiete, wie beispielsweise beim Eichenprozessionsspinner, der sich mit Ansteigen der Temperaturkurve stetig ausbreitet und landauf – landab bei der Bevölkerung von Unbehagen bis Panik verschiedenste Gemütszustände hervorruft. Mancher Feuerwehr- und Schädlingsbekämpfungseinsatz ist dem Dasein dieser ansonsten unspektakulären Schmetterlingsraupe geschuldet.

Zwar sind es besonders die borkenkäferartigen Schädlinge gewesen, die in 2018 Waldbesitzer in akute Alarmbereitschaft versetzten, daneben zeigte Hans Werner Schröck aber auch jene Vertreter des Pflanzenreichs auf, die eher schleichend, dafür aber beständig und nachhaltig unseren Waldbäumen den Garaus zu machen drohen.

Ganz vorne stand das Eschentriebsterben an, für das der Pilz mit dem klangvollen Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ verantwortlich zeichnet. Und „falsch“ ist er in der Tat.

Blattwelke, vorzeitiger Blattabfall und Nekrosenbildung am gesamten Baum bedeuten für junge Eschen das Todesurteil und für ältere Bäume wenigstens eine Schwächung, die Folgeschäden Tür und Tor öffnet.

Nicht weniger gefährlich ist der Kastanienrindenkrebses, der zu den sog. echten Schlauchpilzen zählt, und botanisch als cryphonectria parasitica“ bezeichnet wird, erfährt er doch durch die wechselnden klimatische Bedingungen eine gehörige Beschleunigung seines Ausbreitungsverhaltens.

Weil nun zwar die Dichte dieser Organismen, ganz gleich, ob Tier oder Pflanze, wächst, mit ihr aber keineswegs ihr Lebensraum, sind einige von ihnen gezwungen - das ist rein mathematisch betrachtet schon so - ihren „Lebensmittelpunkt“ zu verlegen.

So kommt es, dass neben den einwandernden, beispielsweise auch heimische Borkenkäferarten, Schmetterlinge und Pilze ihre eigentlichen Wirtspflanzen verlassen und plötzlich an Bäumen zu Schaden gehen, die im Normalfall nicht ihrem „Beutespektrum“ entsprechen.

 

Den interessierten Waldbesitzern und Waldbewirtschaftern, für die angesichts dieser Fülle von Bedrohungen guter Rat teuer war, konnte Hans Werner Schröck aber auch Wege aufzeigen, den drohenden Gefahren wirksam zu begegnen.

Der Waldschutzfachmann aus der Pfalz setzte dabei auf ein Kompendium aus vorbeugenden und kurativen Maßnahmen. Sein Konzept der Risikominimierung startete bereits bei der Bestandsbegründung mit der Auswahl standortangepasster und vielfältiger Baumarten.

Die Bestandesstabilität muss im Laufe der Bestandesentwicklung durch Pflegemaßnahmen erreicht und gefördert werden, so Schröck.

Ferner forderte der Referent dazu auf, eine saubere Waldwirtschaft mit konsequenter Aufarbeitung von Windwürfen und Schadhölzern jeglicher Art zu betreiben und für eine rechtzeitige Holzabfuhr zu sorgen.

 

Die fast 40 Mitglieder und Besucher der Versammlung zollten schließlich dem hochkarätigen Redner in einer lebhaften Diskussion und durch einen entsprechenden Applaus ihre Anerkennung und zeigten sich beeindruckt von der gelungenen Darbietung.

Vorsitzender Eberhard Will tat dem gleich, indem er sich herzlich bei Hans Werner Schröck bedankte und als sichtbares Zeichen den zur Tradition gewordenen Präsentkorb des Waldbauvereins überreichte.

 

Vor Darlegung seines Jahresberichts konnte Vorsitzender Will zu Beginn der Versammlung wieder zahlreiche Gäste aus den Reihen der Kommunalpolitik und der Interessensverbände begrüßen. So befanden sich neben Landrat Frank Puchtler auch die Bürgermeister Harald Gemmer und Michael Schnatz, sowie der 1. Beigeordnete Helmut Göttert unter den Gästen. Als Vertreter der Forst-, Land- und Jagdwirtschaft waren Susanne Gühne, Frank Ridderbusch, Udo Stratemann, Michael Fischer und Angela Warkentin der Einladung gefolgt.

 

Dr. Wolfgang Schuh, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes für Rheinland-Pfalz, der beim Waldbauverein Rhein-Lahn alljährlich als „gesetzt“ gilt, bewegte mit seinem Kurzvortrag über die aktuell im Lande diskutierten forstlichen Themen ebenso die Gemüter der Versammlungsteilnehmer und stand, nachdem auch er herzlich durch Eberhard Will begrüßt worden war, Rede und Antwort.

Seine Schwerpunkte lagen mit Blick auf das abgelaufene Jahr zum einen auf der witterungs- und borkenkäferbedingten Schadenssituation des Waldes und in deren Folge auf der angespannten Holzmarktsituation. Für wenig Begeisterung sorgte dabei die sehr spärlich in Aussicht gestellte Unterstützung der Waldbesitzer in Form finanzieller Zuwendungen, die jedoch für die dringend notwendigen Schadenbeseitigungs- und Wiederaufforstungsmaßnahmen notwendig wären.

Zum anderen wagte der Geschäftsführer aus Bad Kreuznach den Ausblick auf 2019, wo schließlich die erwartete Trennung des staatlichen, kommunalen und privaten Holzverkaufs praktisch vollzogen werden musste.  

 

Zu diesem Themenkomplex hatte sich auch der Vorstand des Waldbauvereins im Rahmen seiner Sitzungen Gedanken gemacht und so hatte Vorsitzender Will eingangs der Versammlung in seinem Bericht bereits auf die noch unbekannte, sich ändernde Vermarktungssituation für die Privatwaldbesitzer im Rhein-Lahn-Kreis hingewiesen. Die Möglichkeiten, wie künftig verfahren werden konnte, mussten ausgelotet werden, wobei insgesamt drei Varianten nach Darstellung durch den Vorsitzenden zur Disposition standen.

Sein Votum dazu war, über eine neu zu gründende private Holzvermarktungsorganisation, die aus dem Waldbauverein Rhein-Lahn und der Forstverwaltung Graf von Plettenberg gebildet werden könnte, nachzudenken.

Ferner könnte die Vermarktung eventuell über die rechtsrheinisch bereits bestehende private Verkaufsorganisation im Westerwald vorgenommen werden, was mit den Verantwortlichen dort beraten werden müsste. Und schließlich könnte die Vermarktung des Privatwaldholzes über die neuzugründende, kommunale Verkaufsorganisation in Höhr-Grenzhausen angedacht werden.    

Nach kurzer und zum Teil kontrovers geführter Aussprache erteilte die Mitgliederversammlung ihrem Vorsitzenden schließlich den Auftrag, Gespräche mit den einzelnen, infrage kommenden Institutionen aufzunehmen. Das Ergebnis blieb vorerst abzuwarten.

 

Nach Schilderung des Geschäfts- und Kassenberichts durch Geschäftsführer Steffen Herzog konnte der Waldbauverein auch in 2017 auf ein reichhaltiges Angebot für seine Mitglieder verweisen. Exkursionen, Motorsägenlehrgänge, zahlreiche Beratungen und angefragte Unterstützungen, deren Inanspruchnahme nach Aussage des Geschäftsführers ständig zunahm, prägten den Jahresverlauf. Die Teilnahme an verschiedensten Terminen und Routineaufgaben rundeten das Geschäftsjahr ab.

 

Bei alledem war die finanzielle Situation des Vereins stabil und die Kassenlage leicht steigend, was es Kassenprüfer Rolf Minor leicht machte, dem Vereinsvorstand und dem Geschäftsführer eine einwandfreie und beanstandungslose Geschäfts- und Kassenführung zu bescheinigen. Dem folgend wurden Vorstand und Geschäftsstelle einstimmig Entlastung für das Jahr 2017 erteilt.

 

Als der erste Vorsitzende Eberhard Will nach einer angeregten Schlussdiskussion die Versammlung schloss, waren sicherlich die aufgeworfenen Fragen nicht alle geklärt.

Grund zur Resignation gab es aber dennoch nicht.

 

Bäume wachsen seit 300 Millionen Jahren auf der Erde und sind damit ein Erfolgsmodell. Trotz allem Ungemach, das Wald und Waldbesitzern gleichermaßen noch bevorsteht, lässt sich aus den Worten des französischen Schriftstellers und Diplomaten Paul Claudel, der das Zitat „Aus dem abgestorbenen Baum wird immer noch ein tüchtiger Balken“ zum Besten gab, vielleicht doch ein Funken positiver Erkenntnis ziehen.

 

2019 verspricht ein spannendes Jahr zu werden – wenigstens im Wald.

 

(Bilder der Versammlung können in unserer Bildergalerie eingesehen werden)

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