Ein Jahr wie kein anderes

Erstellt am 26. November 2020

Ein Jahr wie kein anderes

„Ein Unglück kommt selten alleine“, weiß schon der Volksmund zu berichten und wenigstens für das Jahr 2020 scheint er damit Recht zu haben.

Denn während auf der einen Seite ein Virus nahezu die ganze Welt in Schach hält und damit das buchstäbliche Zusammenrücken in Zeiten der Not unmöglich macht, sorgen andererseits Trockenheit und Borkenkäfer in unseren Wäldern dafür, dass bei Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern eben diese Not seit drei Jahren ununterbrochen herrscht - und ein Ende scheint derzeit nicht in Sicht.

Was für die Welt und den Wald gilt, hat auch den Rhein-Lahn-Kreis und damit den Waldbauverein und seine Mitglieder mit Vehemenz getroffen, denn leider haben weder das Corona-Virus noch Trockenheit und Borkenkäfer einen Bogen um ihn gemacht, ganz im Gegenteil.

Diesen Plagen, die zwar völlig unabhängig voneinander wirken, ist allerdings eines gemein: Sie gehen mit Ausfallerscheinungen einher.

Lassen wüstenähnliche Trockenheit und Myriaden von Borkenkäfern reihen- und hektarweise unsere Wälder ausfallen, hat das Corona-Virus bei unseren für 2020 angedachten Vereinsveranstaltungen ebenso für den totalen Ausfall gesorgt.  

Legten wir noch zu Beginn des Vereinsjahres an seinen Verlauf normale Maßstäbe an und dachten an Exkursionen, Mitgliederversammlung, Vorträge, Motorsägenlehrgänge und was einem sonst noch einfallen mag, so machte uns die Corona-Pandemie bereits im zeitigen Frühjahr einen Strich durch die Rechnung. Als erstes erwischte es dabei eine von langer Hand für März vorbereitete Lehrveranstaltung, die wieder von der Tagesordnung kam, in der Hoffnung, sie im Lauf des Sommers nachholen zu können. Indes, es blieb bei dem Wunsch.

Dem folgte die Entscheidung, dass unter den herrschenden Umständen und angesichts prognostizierter steigender Infektionszahlen zu Beginn des Herbstes, zunächst von unserer Halbtagsexkursion und schließlich auch von der traditionellen Ganztagsexkursion Abstand zu nehmen ist. Die damit verbundene und liebgewonnene Busfahrt, die jedes Jahr die Mitglieder der Waldbauvereine Rhein-Lahn und Westerwald im Gespräch und im Geiste vereint, war unter Wahrung pandemiebedingter Regeln einfach nicht machbar.

Und nicht anders verhielt es sich dann, als die Vereinsführung zusammen mit der Geschäftsstelle darüber nachdachte, ob und wie man eine Mitgliederver-sammlung im Oktober oder November infektionsgerecht und sicher für die Teilnehmer über die Bühne bringen könnte. Das Ergebnis der Überlegungen war klar und ließ keine Zweifel zu: Gar nicht! Niemand kann (und will) die Hand dafür ins Feuer legen, dass in Zeiten, in denen der Begriff „Superspreader“ beste Chancen auf die Wahl zum Wort des Jahres hat, eine Versammlung gefahren- und risikofrei zu erledigen ist.    

Trotzdem nun unser Wirken in die Breite in diesem Jahr nicht möglich war, gelang es wenigstens, allen widrigen Umständen zum Trotz, vielen Mitgliedern Unterstützung zu bieten.

Niemals zuvor gab es mehr Anfragen zur Mithilfe an die Geschäftsstelle. Natürlich beruhten die Hilfeersuchen zum großen Teil auf Umständen, die mit der bereits erwähnten Extremwettersituation einhergingen.

Schadholzeinschlag, Holzvermarktung, Förderanträge, Flächenräumung, Restholzverarbeitung, Wiederaufforstung, Zertifizierung, Waldbrandschadenregulierung, etc., das ganze Portfolio war vertreten.

Doch dann gab es schließlich noch eine Sache, wo Vereinsarbeit, die alle Mitglieder im Fokus hat, im Vordergrund stand.

Die Rede ist von der uns seit zwei Jahren beschäftigenden Problematik, wie die Holzvermarktung im Privatwald künftig erfolgversprechend organisiert werden kann.

Viele Varianten und Modelle wurden hier seit der Mitgliederversammlung 2018 gedacht, erörtert, abgewogen, diskutiert und untersucht. In Corona-Zeiten muss man das natürlich teils digital in Videokonferenzen bewerkstelligen und was anfänglich noch gewöhnungsbedürftig erschien, ist mittlerweile „business as usual“, wie der Brite sagt.

Es würde aber den Rahmen sprengen, an dieser Stelle ausführlich über den Weg und über die Zwischenstationen der Gedankengänge zur Holzvermarktung zu berichten (das heben wir uns für die nächste Mitgliederversammlung auf).

Zur augenblicklichen Situation sei aber Folgendes gesagt. Der Kreiswaldbauverein Rhein-Lahn ist auf der Suche nach einem zukunftsorientierten Holzverkaufsmodell nicht alleine.

Der Blick in die Nachbarschaft gab nämlich Aufschluss darüber, dass es den Kolleginnen und Kollegen im Waldbauverein Neuwied ähnlich geht.

Nach einem kurzen Gedankenaustausch, unterstützt und initiiert vom für die Forstwirtschaft zuständigen Ministerium in Mainz (MUEEF) und dem Büro „UNIQUE forestry and landuse“ aus Freiburg (an dieser Stelle sei den Herren Dr. Stefan Göbel und Dr. Bernd Wippel herzlich für ihren Einsatz gedankt), war eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine mögliche Kooperation zu Tage gefördert: Beide Waldbauvereine sind sich zugetan und können sich vorstellen einer Zusammenarbeit näherzutreten. Mit dieser ermutigenden Feststellung lässt sich in die Zukunft denken und so schauen wir einmal, wie wir ein mögliches Miteinander ganz im Sinne einer gegenseitigen Unterstützung angehen.

Kommen wir an dieser Stelle auf den Anfang des Berichts zurück.

Es ist schön festzustellen, dass Zusammenrücken doch noch funktioniert.

Corona hin oder her und, um den Volksmund ein weiteres Mal zu bemühen, gilt im Hinblick auf all das, was wir in diesem Jahr nicht realisieren konnten die einfache Regel: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“

Irgendwann, liebe Mitglieder, können wir wieder in gewohnter Manier zusammenkommen und das Geschehen im Waldbauverein von Angesicht zu Angesicht erleben. Nichts ist für die Ewigkeit, auch Viren und Insektengradationen nicht.

Was Letzteres betrifft, kommen Sie, wenn in Ihrem Wald „Not am Mann ist“ auf Ihren Waldbauverein zu.

Bis sich die Lage auf den übrigen Gefechtsfeldern wieder entspannt, bleiben Sie bitte geduldig und gesund.

Wir sind und bleiben Ihnen verbunden!  

 

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