Von Rundholz und Himbeergeist – im Jagdrevier der Nibelungen

Erstellt am 12. September 2017

Vom klaren Neckar bis zum Maine, der träg und trüb sich dahin zieht,
entbieten Gruß dem
Vater Rheine die Gipfel übers feuchte Ried!
Der trunk´ne Blick schaut nah‘ und weit hoch über alle Herrlichkeit
auf Wälder, Dörfer, Burgen all, die Wiesen, Bächlein ohne Zahl!
O du mein liebster Aufenthalt! O grüß dich Gott, mein Odenwald!

(Emil Ritterhaus 1868)

So, oder so ähnlich jedenfalls hätten sich die vierzig Waldbäuerinnen und Waldbauern auf ihre Lehrfahrt in den Odenwald einstimmen können, die die Waldbauvereine Rhein-Lahn und Westerwald am 07. September in Angriff genommen hatten.

Geprägt jedoch von weniger romantischen Gedanken war das Exkursionsziel sehr bewusst im Hinblick auf das mittlerweile auch in Rheinland-Pfalz zum Tagesordnungspunkt erklärte Verfahren des Kartellamtes in Sachen Rundholzvermarktung ausgewählt worden.

Ziel war die Stadt Buchen, die mit ihren fast 18.000 Einwohnern Mitglied der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland e.G. (FVOB) ist und, in deren „Alten Rathaus“ Geschäftsführer Helmut Schnatterbeck die interessierten Privatwaldbesitzer herzlich willkommen hieß.    

Holzaufnahme, Holzaushaltung, Holzverkauf, Rechnungstellung und Holzkundenvermittlung umreißen als Schlagworte das, worum es im Kern ging, denn für die rheinland-pfälzischen Privatwaldbesitzer war es an der Zeit sich damit auseinanderzusetzen, wer diese Aufgaben ab dem Jahr 2019 für sie übernehmen sollte.

Weil guter Rat nicht immer teuer sein muss und umso besser ist, auf je mehr Erfahrung er beruht, war der Besuch bei der seit acht Jahren bestehenden FVOB nicht nur erfolgverspre-chend, sondern auch zielführend, wie sich im Gespräch und in der Diskussion mit Helmut Schnatterbeck herausstellte.

Dieser blickte in seiner Darstellung der Dinge auf eine Reihe von Erfolgen zurück, musste aber auch von Rückschlägen berichten und ließ die Besucher aus dem „Norden“ an seinen Gedanken zum Thema Holzvermarktung weitreichend teilhaben.

Die Gründung der FVOB geht auf eine Initiative der Städte Buchen und Walldürn zurück, die in 2010 den Schritt ins genossenschaftlich organisierte „Forst- und Holzunternehmertum“ wagten.

In Baden-Württemberg ist die FVOB anerkanntes „Pilotprojekt" und damit ist die Region Odenwald-Bauland „Pilotregion" für die nichtstaatliche Holzvermarktung.

Die Forstliche Vereinigung Odenwald-Bauland beherbergt aktuell 33 kommunale und private Waldbesitzer aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern unter ihrem Dach.

Geschäftsführer Schnatterbeck konnte zudem ins Feld führen, dass man kurz davor stand, weitere Mitglieder, insbesondere aus Hessen zu gewinnen. Die Anfragen an die FVOB seien zahlreich.

In der Forstbetriebsgemeinschaft selbst kooperieren die Mitglieder nach individuellem Bedarf in allen Bereichen ihrer Forstbetriebe miteinander.

Ziel ist es dabei, neben einer primären Optimierung der Holzvermarktung, weitere Synergie-Potentiale in den beteiligten Forstbetrieben zu erarbeiten und zu nutzen, so beispielsweise den Unternehmer- und/oder Maschineneinsatz.

Die  Genossenschaft selbst darf dabei natürlich das Ziel der Kostendeckung nicht aus dem Auge verlieren. Erwirtschaftete Überschüsse fließen direkt an die Waldbesitzer zurück.

Die FVOB pflegt die Kooperationen mit der Holzindustrie und übernimmt verantwortlich die Versorgung von Sägewerken mit Rundholz. Zu den Geschäftsfeldern zählen neben dem Engagement für die Mitglieder der Handel mit Rundholz und das Angebot sämtlicher forstlicher Dienstleistungen auch an Nichtmitglieder. Die Waldbesitzer der FVOB eG erhalten durch ihre Mitgliedschaft betriebliche Unterstützung entsprechend ihres individuellen Bedarfs und als Teil der Genossenschaft ein direktes Mitspracherecht, unabhängig von der Größe des Waldbesitzes.

Aktuell weist die FVOB eine ihr angeschlossene Waldfläche von rund 40.000 Hektar auf und kann damit den regionalen Holzmarkt entscheidend mitbestimmen. Diesen bedient sie im Jahresmittel mit rund 200.000 Festmeter Rundholz, welche zu etwa zwei Dritteln aus Nadelholz bestehen.

Abschließend sprach Helmut Schnatterbeck den Privatwaldbesitzern Mut zu, den Schritt in die eigenständige Holzvermarktung zu gehen und dabei alle denkbaren Möglichkeiten auszuloten, wobei er einer privatwirtschaftlich agierenden Organisation eindeutig den Vorzug gab.

Vorsitzender Eberhard Will setzte mit einem Gastgeschenk und herzlichen Worten des Dankes für eine gelungene und aufschlussreiche Darbietung den Schlusspunkt in Buchen und gab dem kompetenten Geschäftsführer der FVOB Helmut Schnatterbeck begleitet vom Applaus der Zuhörer die besten Wünsche für sein tägliches Wirken mit auf den Weg.

Wer Buchen den Rücken kehrt und es in nördlicher Richtung verlässt, landet schließlich in Amorbach und genau dieses unterfränkische Städtchen mit seiner historischen Altstadt war die nächste Station der Tagesexkursion.

In der „Brauerei Etzel" erwartete die Reisegruppe zunächst ein stärkendes Mittagessen der gutbürgerlichen Art und weil der Name verpflichtet, natürlich auch ein zünftiges Gerstengetränk, bevor sich die Fahrt in den Stadtteil Beuchen fortsetzte. Dort sollten die Waldbäuerinnen und Waldbauern aus Westerwald und Taunus erfahren, was der Odenwald außer seiner namensgebenden Landnutzung noch zu bieten hat.

Obst in flüssig-veredelter Form, hergestellt in Spitzenqualität bei der Edelobstbrennerei Bauer, die seit 1971 ihren überregional bekannten „Wildsautropfen“ destilliert, war Anziehungspunkt für schon viele Reisegruppen und so auch dieses Mal für die Waldbauvereine Rhein-Lahn und Westerwald.

In der eigens zur Brand- und Geistverkostung aus Holz erbauten „Schnapshütte“ empfingen Juniorchefin Alexandras Bauer und ihr Team die Reisegruppe mit Kaffee und Kuchen, wonach es verzugslos zur Brennereiführung und natürlich zur Schnapsprobe ging.

Wie man gutes und schlechtes Destillat voneinander unterscheiden kann, was der Unterschied zwischen einem Brand und einem Geist ist, welche Fähigkeiten der professionelle Schnapsbrenner neben Trinkfestigkeit noch besitzen sollte und wie der „Wildsautropfen“ zu seinem Namen gekommen war, das alles wurde den aufmerksam, gespannt zuhörenden Besuchern anschaulich und verständlich erläutert. Das hohe Qualitätsniveau, auf welchem sich die Brennerei und ihre Produkte bewegen, zeigte sich in den zahlreichen Prämierungen.

Von diesen stach die Auszeichnung des dem Hause Bauer entstammenden „Churfranken-Bitter“ eindeutig hervor. Der wurde nämlich im Jahr 2013 bei der Verleihung des wichtigsten Prädikats für die Brennkunst im „Internationalen Spirituosen Wettbewerb (ISW)“ mit dem sog. „Großen Gold“ ausgezeichnet, was im übertragenen Sinne der Verleihung des „Oscar“ gleichkommen dürfte.

Um den Worten Taten folgen zu lassen und zum Beweis dafür, dass die Produktpalette der Brennerei Bauer jeder Prüfung standhält, geizten Alexandra Bauer und ihre Mitarbeiterinnen beim „Beproben“ der Destillate nicht.

Nachdem alle Geschmacksrichtungen durch „fachkundige Juroren“ ausgetestet und bewertet worden waren und die Marschrationen und Geschenke für diejenigen, die an diesem Tag nicht mit in den Odenwald fahren konnten, eingepackt waren, folgte ein herzlicher Abschied, bei dem einige versprachen, nicht zum letzten Mal in der „Schnapshütte“ zu Besuch gewesen zu sein.

Weil ein gelungener Tag einen ebenso gelungenen Abschluss haben muss, saßen die Exkursionsteilnehmer schließlich zum Ausklang in geselliger Runde im Gasthaus „Dorfkrug“ in Allendorf zusammen und ließen beim Abendessen die Erlebnisse des Tages noch einmal Revue passieren.

Und warum heißt nun der „Wildsautropfen“ eigentlich „Wildsautropfen“? Die Erklärung dafür ist naheliegend und leichtverständlich.

Die Reste der zum Brennen erforderlichen Maische, die Trester und sonstige Destillationsreste wurden in den Anfangszeiten der Brennerei hinter derselben, in unmittelbarem Anschluss an die Feldgemarkung, gelagert.

Welches Wildschwein konnte da schon widerstehen - und es hat auch seine Zeit gedauert, bis es schließlich wieder stehen konnte.    

                

(Die Bilder zum Artikel können in unserer Bildgalerie angeschaut werden)  

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