Exkursion Wiederbewaldung von Kalamitätsflächen

Erstellt am 10. August 2022

 

Ganztagesexkursion der Waldbauvereine Rhein-Lahn und Westerwald am 23.09.2022

Es ist endlich wieder soweit! Nach nunmehr drei Jahren Abstinenz wollen wir im Rahmen der traditionsgemäß von den Waldbauvereinen Rhein-Lahn und Westerwald gemeinsam durchgeführten, ganztägigen Fortbildungsveranstaltungen am Freitag, den 23.09.2022 eine Lehrfahrt in den Hunsrück und in die Stadt Bingen unternehmen. Welche Ziele wir dabei genau ansteuern und was uns jeweils am Vor- und Nachmittag erwartet, entnehmen Sie, liebe Mitglieder, bitte den Ausführungen, die Sie erhalten, wenn Sie den oben unterlegten Link betätigen. Schon an dieser Stelle wünschen wir allen, die an der Exkursion teilnehmen, einen rundum gelungenen Tag und neben interessanten Informationen auch die zugehörige Portion Geselligkeit.  

 

Weißtanne oder Douglasie - Traubeneiche oder Speierling?

Auch wenn die Überschrift klingt, als hätte der Kreiswaldbauverein Rhein-Lahn seine Mitglieder am Nachmittag des 3. Juni zum lustigen Ratespiel eingeladen, war dem nicht so.
Die Fragen stellten nämlich die am Exkursionsmotto „Wiederbewaldung der einstigen Kalamitätsflächen“ interessierten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Und Förster Manfred Trenkhorst, selbst Mitglied im Waldbauverein, sowie Geschäftsführer Steffen Herzog standen Rede und Antwort.

Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pause war die Exkursion in den heimatlichen Privatwald die erste Veranstaltung, die die Mitglieder nach langer Zeit endlich wieder in Kontakt kommen ließ und diese machten regen Gebrauch davon.
Damit dieser Auftakt gelang, hatte Manfred Trenkhorst ganz im Sinne des Veranstaltungszwecks zwei Privatwaldflächen aus den Mitgliederreihen ausgewählt, die für den Wald von morgen „Modell standen“.

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Los ging es an der wiederaufgeforsteten Kahlfläche des Vereinskollegen Karl Bauer in Mittelfischbach, der nach dem Abräumen des vollständig zerstörten Fichtenbestandes nun auf Laubgehölze setzte und der die Auswahl der Baumarten nach gemeinsamer Überlegung und nach eingehender Beratung mit Förster Manfred Trenkhorst im vergangenen Herbst vorgenommen hatte. Aber nicht nur die Frage, was auf dem einigermaßen trockenen Standort für die ausgefallenen Fichten als Ersatz dienlich sein konnte, stellte sich dem Waldbesitzer. Karl Bauer musste auch Überlegungen anstellen, wie die jungen Pflanzen schließlich ausgebracht, geschützt und später weitergepflegt werden konnten. Und schließlich war noch zu klären, wie ein solches Projekt zu finanzieren war.
So rekapitulierten Exkursionsführer Trenkhorst und Waldbesitzer Bauer den gesamten Werdegang der Privatwaldfläche, angefangen beim Einschlag der geschädigten Fichten bis schließlich hin zum Setzen der letzten Pflanze. Welche „bürokratischen“ Hürden nebenbei zu überwinden waren, verdeutlichten beispielhaft die Verweise darauf, dass bei der Auswahl der Pflanzen Wert auf geeignete Herkünfte gelegt wird und, dass an das so ausgebrachte Pflanzmaterial zusätzlich weitere Bedingungen im Hinblick auf seine Beschaffenheit gestellt werden, um an Subventionen partizipieren zu können. Da, wo neuer Wald entsteht oder wiederbegründet wird, muss das unter Beachtung bestimmter gesetzlicher Rahmenbedingungen geschehen.
Mit dem erfolgversprechenden Ergebnis konnten Waldbesitzer und Förster schließlich zufrieden sein und der Start der jungen Pflanzen in ein zukunftsorientiertes Waldgefüge schien geglückt.

Die zweite Waldfläche, die von den fast dreißig Exkursionsteilnehmern in Augenschein genommen wurde, durfte Exkursionsleiter Manfred Trenkhorst selbst sein Eigen nennen. Hier erwartete die Schar der wissbegierigen Zuhörer eine völlig andere Kulisse. Blickten sie eben noch in eine Aufforstung, die durch Baumarten geprägt war, denen man das Zurechtkommen mit mehr oder weniger großer Trockenheit zutraute, so sahen sie sich nun einem mehr üppig anmutenden Standort gegenüber. Die Vegetation ließ erahnen, dass für die jungen Bäume, die seit letztem Herbst hier wuchsen, wohl etwas mehr zu holen war. Dementsprechend, berichtete Manfred Trenkhorst, war hier auch eine andere Vorbereitung der Fläche und eine andere Baumartenwahl erfolgt. Gleichwohl verhehlte der Forstmann nicht, gab es auch Faktoren, die selbst bei bester Standorteignung nicht zu beeinflussen waren. Er demonstrierte das an einigen Douglasien, die der Frosttrocknis im Frühjahr zum Opfer gefallen waren. Trotzdem diese Einbußen die günstige Bestandssituation an sich nicht beeinträchtigten, sah sich Manfred Trenkhorst mit der Notwendigkeit von Nachbesserungen bei dieser Baumart konfrontiert.

Das Pflanzen eines Waldbestandes zur Etablierung einer neuen, klimaangepassten Waldgeneration kann eine Methode erfolgreicher Wiederbewaldung sein, wie die interessierten Zuschauer erfuhren, jedoch ist sie nicht die einzige. Da, wo sich bereits neuer Wald auf natürlichem Weg einstellt, sind die Waldbesitzer gut beraten, dieses Potenzial zu nutzen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man die waldbaulich und wirtschaftlich oft günstigere Variante der Naturverjüngung sich selbst überlassen kann. Auch sie muss gefördert und weiterentwickelt werden. Zur Einleitung, Unterstützung und Erweiterung sich selbst verjüngender Waldbestände können bodenvorbereitende Maßnahmen sinnvoll sein, aber auch das Auspflanzen nennenswerter Fehlstellen.

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Während sich nach einem zweieinhalbstündigen Aufenthalt im Wald der Diskussions- und Klärungsbedarf dem Ende zuneigte, rückte die Aussicht auf eine verdiente Stärkung im „Gasthaus Dorfkrug“ in den Mittelpunkt des Interesses, wo der Tag seinen Ausklang fand.

Auf das Fragezeichen in der Überschrift übrigens, ob also Weißtanne oder Douglasie, ob Traubeneiche oder Speierling unter dem Strich die richtige Baumartenwahl sind, lieferte der Thüringer Forstwissenschaftlers Gottlob König (1779 – 1849) vielleicht schon 1840 eine nicht ganz präzise, aber vielsagende Antwort: „Der Fall des ersten Baumes war bekanntlich der Anfang, aber der Fall des letzten, ist ebenso gewiss das Ende der Zivilisation. Zwischen diesen zwei Grenzpunkten bewegen wir uns. Die Zeit des letzteren liegt in unserer Hand.“
Er hatte wohl schon eine Ahnung. Wir sollten uns also daran machen, Bäume zu pflanzen!

(Die Bilder zur Exkursion sind in unserer Bildergalerie einsehbar.)

 

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